Der französische Schauspieler Gérard Depardieu steht nach der Veröffentlichung einer umstrittenen Fernsehdokumentation am 7. Dezember im Zentrum eines sich verschärfenden internationalen Skandals. In dem Film machte der erfahrene Schauspieler zahlreiche unangemessene und schockierende Bemerkungen über Frauen, die rasche und schwerwiegende Konsequenzen nach sich zogen. Belgien und Kanada haben Depardieu alle offiziellen Ehrentitel aberkannt und seine Wachsfigur aus dem Pariser Musée Grévin entfernt. In Frankreich gab Kulturministerin Rima Abdul Malak bekannt, dass Depardieu aufgrund einer formellen Disziplinaruntersuchung der Ausschluss aus der renommierten Ehrenlegion, der höchsten Auszeichnung des Landes, drohe. Berichten zufolge hat Depardieu seine Auszeichnung mit der Ehrenlegion über seine Anwälte dem Kulturministerium „zur Verfügung gestellt“.
Der Skandal eskalierte, als die belgische Gemeinde Estampuis Depardieu die Ehrenbürgerschaft entzog, die ihm 2013 während seines Aufenthalts in der Gemeinde verliehen worden war. Kurz darauf verkündete Québecs Premierminister François Legault, dass Depardieu aus dem Orden National de Québec entfernt worden sei. In einer Erklärung erklärte Legault: „Die skandalösen Äußerungen von Gérard Depardieu vor laufenden Kameras haben die internationale Öffentlichkeit zu Recht schockiert. Sein Verhalten wirft einen Schatten auf das Ansehen der Mitglieder des Orden National de Québec.“
Die Kontroverse wurde noch dadurch verstärkt, dass Depardieus Wachsfigur, die seit 1981 im Pariser Musée Grévin ausgestellt war, nach negativen Reaktionen von Museumsbesuchern und Social-Media-Nutzern entfernt wurde. Museumsvertreter nannten die öffentliche Meinung als Hauptgrund für die Entscheidung.
Die auf France 2 ausgestrahlte Dokumentation löste heftige Kritik aus. Sie enthüllte bisher unveröffentlichtes Filmmaterial von Depardieus Reise nach Nordkorea. Darin soll der Schauspieler Bemerkungen gemacht haben, die seinen Übersetzer in peinliche Situationen brachten, und sich unter anderem sexuell anzüglich über ein junges Mädchen geäußert haben.
Depardieu ist kein Unbekannter in rechtlichen Schwierigkeiten. Seit 2020 sieht er sich mit Vergewaltigungsvorwürfen der Schauspielerin Charlotte Arnault konfrontiert, und mehrere andere Frauen werfen ihm sexuelle Belästigung und Fehlverhalten vor. Zuletzt reichte die Schauspielerin Hélène Darras im Dezember 2023 Beschwerde ein und behauptete sexuelle Belästigung während eines Filmdrehs im Jahr 2007.
Die Frage nach Depardieus Status in der französischen Ehrenlegion ist zu einem zentralen Thema des Skandals geworden. Ministerin Rima Abdul Malak erklärte, der Rat der Legion werde zusammentreten, um ein Disziplinarverfahren einzuleiten und zu entscheiden, ob Depardieus Mitgliedschaft suspendiert oder entzogen werden solle. Depardieu wurde 1996 zum Chevalier (Ritter) ernannt. Der Kodex der Legion legt fest, dass ehrwidriges Verhalten zu Tadel, Suspendierung oder Ausschluss führen kann.
Depardieu protestierte über seine Anwälte gegen das, was er als „Medienlynchen“ bezeichnete, und fragte, ob es die Pflicht des Kulturministers sei, sich so aktiv an dieser öffentlichen Verurteilung zu beteiligen. In Bezug auf die Dokumentation argumentierte sein Anwaltsteam, die Sendung handele sich um „bearbeitetes Filmmaterial, das in intimer und privater Atmosphäre gedreht wurde“. Diese Bemerkungen wurden jedoch vor laufender Kamera während der Dreharbeiten zu einem Dokumentarfilm über seine Nordkorea-Reise gemacht – Filmmaterial, das den Anwälten zufolge bis zur Ausstrahlung am 7. Dezember nie öffentlich gezeigt wurde.
Der Skandal geht weiter. Depardieus internationaler Ruf, seine rechtliche Stellung und seine offiziellen Ehren stehen auf dem Prüfstand. Es bleibt abzuwarten, ob Frankreichs höchste zivile Auszeichnung letztlich widerrufen wird. Dies würde einen dramatischen Sturz in Ungnade für einen seiner berühmtesten Schauspieler bedeuten.