Es begann an einem stillen Herbstabend. Alex kam müde, gereizt und hungrig von der Arbeit nach Hause. Der Regen prasselte gegen das Fenster, und der leere Kühlschrank empfing ihn mit seinem gedämpften Licht und den hallenden Regalen. Das Einzige, was er darin fand, war ein kleiner Plastikbehälter mit der Aufschrift „Selbstgemachtes Essen. Nicht öffnen.“
Er konnte sich nicht erinnern, es jemals gekauft oder mit nach Hause gebracht zu haben. Vielleicht hatte sein Nachbar es versehentlich dort liegen lassen? Oder war seine Mutter vorbeigekommen, während er auf der Arbeit war? Die Neugier, stärker als die Vorsicht, trieb ihn dazu, den Deckel abzunehmen.
Darin befand sich etwas, das wie Rindfleischeintopf aussah – dicke Soße, Kartoffeln und zart wirkende Fleischstücke. Der Duft war unglaublich gut, intensiv und würzig, wie aus einem teuren Restaurant. Sein Magen knurrte. Ohne zu zögern, wärmte Alex es auf und aß den letzten Bissen.
Eine Stunde später wachte er auf dem Badezimmerboden auf. Kalter Schweiß bedeckte seinen Körper, sein Magen krampfte sich vor unerträglichen Schmerzen zusammen. Er erbrach sich heftig – und damit begann der Albtraum.
Zwischen den halbverdauten Speisen klirrte etwas Metallisches am Porzellanwaschbecken. Zuerst dachte er, es sei eine Münze. Doch als er genauer hinsah, stockte ihm der Atem. Es war ein kleiner silberner Ring – zart, feminin, mit der Gravur eines Namens: Elena.
Alex erstarrte. Das war der Name seiner Ex-Freundin, die vor zwei Jahren verschwunden war. Die Polizei hat sie nie gefunden.
Mit zitternden Händen wusch er den Ring und betrachtete ihn im Licht. Die Gravur war unverkennbar. Es war ihr Ring – der Ring, den sie jeden Tag getragen hatte, selbst nach ihrer Trennung.
Plötzlich überfluteten ihn Bruchstücke der Vergangenheit. Die Nacht, als sie gekommen war, der Streit, das Geschrei, wie sie gesagt hatte: „Das wirst du bereuen.“ Er war nach zu viel Alkohol bewusstlos geworden und am nächsten Morgen in einem leeren Haus aufgewacht, neben einer Nachricht mit den Worten: „Auf Wiedersehen.“
Zwei Jahre lang redete er sich ein, sie sei nur weggezogen. Doch nun, da der Ring in der Spüle lag und der Geschmack des „hausgemachten Eintopfs“ ihm noch immer im Mund lag, nagte eine andere Möglichkeit an seinen Gedanken – eine, die zu schrecklich war, um sie zu glauben.
Er stolperte zurück in die Küche, öffnete den Mülleimer und zog den leeren Behälter heraus. Keine Marke, kein Barcode, kein Verfallsdatum – nur ein schwacher Geruch von Metall und etwas anderem … etwas Verrottetem .
Ein Klopfen an der Tür ließ ihn zusammenzucken. Als er öffnete, stand ein Lieferant mit einem weiteren identischen Behälter in den Händen davor.
„Lieferung für Alex Ivanov“, sagte der Mann emotionslos.
„Ich habe nichts bestellt“, flüsterte Alex mit zitternder Stimme.
Der Mann zuckte mit den Achseln. „Es ist bereits bezahlt. Wie immer.“
Alex blickte auf den Behälter hinunter – dasselbe Etikett, dieselbe Warnung:
„Hausgemachtes Essen. Nicht öffnen.“
Und dieses Mal standen unter dem Aufkleber, kaum sichtbar, zwei neue Worte in rotem Filzstift geschrieben:
„Wir haben euch gewarnt.“